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Harburg

Kreis Donau-Ries, Schwaben
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Burg von der Bergseite


Lage und Zugänglichkeit



Tor mit Fallgatter (zum Vergrößern anklicken!)

Die Harburg liegt an der B 25 auf halber Strecke zwischen Donauwörth und Nördlingen über dem Tal der Wörnitz. Die Burg ist nur gegen Eintritt in Verbindung mit einer Führung zugänglich. Öffnungszeiten unter http://www.burg-harburg.de/.
 
 
 
 

 
 


Geschichte


 
Kartenausschnitt bei Apian 1568 Burgadel, der sich nach der "horeburc" nennt, taucht schon ab 1080 in Urkunden auf, allerdings lässt sich im Baubestand nichts aus dieser Zeit finden. Am 8. Februar 1150 wird die Reichsministerialenburg selbst zum ersten Mal genannt. Der 13jährige Staufer Heinrich-Berengar berichtet in einem Brief, dass er sich von der Harburg zur belagerten Burg Flochberg aufgemacht hat, um seinen Gegner Welf IV. anzugreifen. Dabei habe er in der folgenden Schlacht einen "großen Triumph" erlangt.

Der junge Staufer war über seine Mutter Gertrud mit Berengar von Sulzbach verwandt, der sein Großvater war. Sein Vater war allerdings noch um einiges berühmter: Es war der erste Stauferkönig Konrad III., der Heinrich zu seinem Nachfolger aufbauen wollte und ihn schon zum Mitkönig hatte wählen lassen. Doch noch im Jahr 1150 starb Heinrich-Berengar an einer Krankheit und eine vielversprechende Karriere fand ihr frühes Ende. Stattdessen wurde nach König Konrads Tod im Jahre 1152 sein Neffe Friedrich von Schwaben zum König gewählt - besser bekannt als Friedrich Barbarossa.

Wappen der Oettinger
1239 noch vom Staufer-König Konrad IV. bewohnt, wird die Harburg 1295 von König Adolf von Nassau an den Grafen von Oettingen verpfändet und von Kaiser Sigmund 1418 wegen besonderer Verdienste als deren Eigentum bestätigt. Die Oettinger konnten auch die Reichsburgen in Alerheim, Flochberg und Wallerstein in der Nachfolge der Staufer behaupten und stiegen so zur bestimmenden Macht im Nördlinger Ries auf. Die Harburg blieb im Besitz der Oettinger bis zum Aussterben der Linie 1731, dann ging sie an die Linie Oettingen/Wallerstein, die noch heute Eigentümer ist.
 
Seit 1948 ist die Burg Sitz der berühmten Bibliothek der Oettinger mit wertvollen Handschriften, Drucken und Kunstwerken. Die Sammlung wurde vor einigen Jahren teilweise verkauft.
 

Beschreibung


 
Grundriss Harburg
Vollständig erhaltene Anlage mit beachtlicher Bausubstanz aus dem Mittelalter. Im 15 Jh. zur Wohnfestung ausgebaut, vom 16. bis zum 18. Jh. weitere Ausbauten zur Fürstenresidenz (Festsaal, Schlosskirche). Einzigartig ist die besonders gut erhaltene, spätmittelalterliche Ringmauer mit Wehrgängen, die für die Verteidigung mit Feuerwaffen ausgelegt und mit vielen Mauertürmen bestückt ist. Die Schießscharten besitzen zum Teil noch funktionierende "Holzaugen", originale Holzauskleidungen mit eingelagerter Kugel, die eine Hakenbüchse aufnehmen konnte. Die dem Plateau zugewandte Seite wird zusätzlich durch einen Zwinger mit halbrunden Mauertürmen geschützt (Bild). Das zweite Tor zur Kernburg besitzt ein vollständig erhaltenes Fallgatter.
 
Vor allem der Bergfried aus Buckelquadern neben dem Kastenbau hat seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt. Gebaut wurde er im 12. Jahrhundert und ist somit der älteste Teil der heute sichtbaren Burg, der obere Teil stammt aus späterer Zeit und ist aus Bruchsteinen gemauert. Der Turm ist heute vom Wehrgang durch eine Zugbrücke erreichbar, der originale Eingang lag auf der gegenüberliegenden Seite und ist zugemauert. Er hat an der Basis 3 Meter starke Mauern, die sich in den oberen Stockwerken verjüngen. In der Mauer verläuft ein Abortkanal. In der frühen Neuzeit wurde er als "Diebsturm" zum Verlies umfunktioniert. Manche Zellen konnten zur Folter der Gefangenen mit einem Ofen aufgeheizt werden.

Der Brunnen (Bild bei Geschichte) in der Mitte der Anlage war einst stolze 127 Meter tief und reichte bis zum Grundwasser im Tal. Der Bau eines solchen Brunnens war extrem aufwändig und teuer und zeigt die Bedeutung der Burg. Heute ist der Brunnen wegen eines Strassentunnels "nur" noch 53 Meter tief. Der bezwiebelte Turm neben dem Saalbau war ein zweiter Bergfried, der später zum Treppenturm für den Rokoko-Ballsaal umfunktioniert wurde.



Weitere Ansichten


 

Wissenswertes


 
Die Harburg ist eine der schönsten und am besten erhaltenen Burgen in Süddeutschland. Die interessante Führung gibt einen guten Einblick in die Geschichte des Adelssitzes, der bis in unsere Zeit von einem Geschlecht bewohnt und seinen Bedürfnissen angepasst wurde.
 
Die Burg liegt am Rand des Nördlinger Ries, einem 15 Millionen Jahre alten Meteoritenkrater mit einem Durchmesser von 20 km. Im Zentrum dieses Kraters liegt Nördlingen, das sich sein spätmittelalterliches Aussehen bewahrt hat: Eine komplett erhaltene, runde Stadtmauer umgibt die von einer spätgotischen Hallenkirche mit hohem, begehbaren Turm beherrschte Stadt.
 

Karte


 

Skalierbare Karte auf openstreetmap.de:
http://openstreetmap.de/karte.html?zoom=16&lat=48.7855&lon=10.69349&layers=B000TT

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***Eine der schönsten und besterhaltenen Burgen Bayerns


Weitere Infos und Bilder unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Harburg

Literatur:
Haase/Richardi: Burgen, Schlösser und Klöster in Bayern
F.W. Krahe: Burgen des deutschen Mittelalters;
K. Leidorf, P. Ettel: Burgen in Bayern

Erstellt 1/2001, aktualisiert 1.11.2009.