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Burg Trausnitz im Tal

Landkreis Schwandorf, Oberpfalz
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Geschichte


 
Wappen der Waldauer zu Waldthurn bei Scheibler um 1450
Trausnitz im Tal ist eine der am besten erhaltenen und legendärsten Burgen in Bayern - vor allem wegen eines berühmten Gefangenen. Gegründet wurde sie durch die Ritter zu Waldthurn auf eigenem Grund, sie wird im Jahr 1261 zum ersten Mal genannt. Bald gerieten die Burg und ihre Besitzer in den Blick der Wittelsbacher und mitten in den Streit der Brüder Ludwig II. dem Strengen von Oberbayern und Heinrich XIII. von Niederbayern. Beide wollten die Burg unbedingt kaufen und gingen dabei gerichtlich gegeneinander vor. Ein Schiedsspruch wurde von Heinrich ignoriert, worauf Ludwig die Burg erobern ließ. Ein neuer Schiedsspruch sprach die Burg wieder den Waldthurnern zu, die sie dann 1300 an Ludwig verkauften. Der verlieh sie schließlich an Wolschart den Zenger.

1305 bekommen Konrad Zenger und Weichnand (auch Weichand oder Weigl) von Trausnitz die Burg verliehen. Weigl war ein Nicht-Adeliger, der durch Verdienste den Aufstieg geschafft hatte. Er wurde bayerischer Viztum, Vormund von Ludwigs gleichnamigem Sohn und dann einer seiner wichtigsten Heerführer. Der junge Ludwig, später verächtlich vom Papst nur "der Bayer" genannt, strebte nach der römischen Königs- und Kaiserwürde. Doch war in einer Doppelwahl 1314 sein Konkurrent Friedrich der Schöne von Habsburg ebenfalls zum König gewählt worden. Ludwig entschied die Sache 1322 auf dem Schlachtfeld von Mühldorf und konnte Friedrich gefangen nehmen. Er übergab ihn seinem treuen Gefolsgmann Weigl und der hielt den Gegenkönig auf seiner Burg Trausnitz im Tal für Ludwig gefangen - 28 Monate lang. Am Ende einigten sich Ludwig und die Habsburger auf eine Art Mitregentschaft. Weigl begleitete seinen Herrn 1328 zur Kaiserkrönung nach Rom. Er starb Mitte des Jahrhunderts ohne männliche Nachkommen, als Erben tauchen die Punzinger und die Wiltinger auf.

Wappen der Zenger bei Scheibler um 1450
1403 konnten die Zenger 1403 die verschiedene Burgteile aufkaufen und unter ihrer Herrschaft vereinen. Sie bekleideten wichtige Hofämter für Herzog Ernst und Herzog Stephan III. Dazu gehörte ihrem Familienzweig auch die Burg Fronhof und später Schneeberg. Doch - wie so oft bei den niederbayerischen und Oberpfälzer Rittern - erlahmte die Liebe zu den Wittelsbachern im späten 15. Jahrhundert: Man wollte eigenständig bleiben. 1492 wurde Trausnitz von Truppen des bayerischen Herzogs Albrecht dem Weisen im Löwlerkrieg eingenommen und beschädigt, denn die Zenger hatten sich diesem Ritteraufstand gegen den Herzog angeschlossen. Sie erhielten die Burg aber zurück und residierten dort bis 1516. Danach folgen weitere Adelsgeschlechter (Sparneck, Erlbeck u.a.), bis 1700 das Schloss vor der Burg und 1802 ein neues Schloss im Ort entstand. Die Burg war längst verlassen und schnell baufällig geworden. 1825 stürzte der Südflügel ein. König Ludwig I. von Bayern griff ein, kaufte die fast ruinierte Burg und ließ sie 1837 historisierend wieder aufbauen. 1952 wurde die Burg zur Jugendherberge ausgebaut.

Beschreibung


 
Grundriss Burg Trausnitz ist eine kompakte Kleinburg mit zwei Wohnflügeln und einem Bergfried, der den Zugang bewacht. Sie wirkt kompakt und einheitlich, als sei sie bei der Erbauung so entstanden. Die Burg steht auf dem Plateau am Fuß eines Hanges über dem Tal der Pfreimd. Der Burgfelsen ist von diesem Plateau (Sitz der Vorburg und des späteren Schlosses) mit einem Halsgraben abgetrennt.

Die Gebäude stehen an allen Seiten am Abgrund an, die Außenwände bilden die Ringmauer. Entgegen des einheitlichen äußeren haben Untersuchungen ergeben, dass die Gebäude zu ganz verschiedenen Zeiten erbaut wurden. Zuerst entstand das südliche Wohngebäude mit der Ringmauer und Burghof. In der Außenwand nach Süden hat sich ein romanisches Doppelfenster erhalten. Auch das Portal mit seiner Mischung aus romanischen und gotischen Elementen stammt wohl aus der Grundungszeit.

Nach 1300 wurde der Bergfried erbaut. Er ist aus Bruchsteinen mit Eckquadern gebaut und hat eine Mauerstärke von 2,2 Meter. Einzelne Buckelquader stammen wohl eher nicht von einem Vorgängerbau, sondern sind typisch für Zeit und Gegend. Im ersten und dritten Obergeschoss verläuft die Treppe in der Mauer. Im zweiten Stockwerk lag der Zugang, er wurde später vom Südgebäude her durch einen Holzgang erschlossen. Ebenfalls in neuer Zeit wurden zwei weitere Eingänge unten und oben zum Nordgebäude geschaffen. Im Turm sind zwei frontale Lichtschlitze zu Schießscharten erweitert, die jedoch nur abschreckenden Charakter hatten. Sie können nämlich gar nicht benutzt werden, weil kein Schütze an die Scharte herantreten kann.

Trausnitz um 1830 Das nördliche Wohngebäude entstand wahrscheinlich im Zuge der Teilung der Burg. Der Burghof wurde durch diesen Ausbau natürlich mehr als schmal. Das Gebäude überragt den Bergfried ein kleines Stück nach Norden, dieser Platz wurde wie auf dem Titelbild zu sehen für einen Abtritt genutzt. Zuletzt entstand der kleine Ostflügel, damit war nun die Ringmauer an drei Seiten bebaut. Später wurden alle Gebäude und der Bergfried noch aufgestockt.

Der südliche Palas stürzte im 19. Jahrhundert ein (Zustand siehe Bild) und wurde wieder aufgebaut. Viel Bausubstanz im Inneren ging durch diese Renovierung und den späteren Umbau zur Jugendherberge in den 50er Jahren verloren. Die vielen verschiedenen Bauphasen sind auch außen durch einen Verputz verdeckt, darunter könnte man die verschiedenen Bauphasen wohl besser unterscheiden.


 

Frontansicht, Innenhof



Lage über der Pfreimd




Südlicher Palas mit romanischem Doppelfenster




Portal




Nordseite und Halsgraben




Schlossbau in der Vorburg mit Tordurchfahrt




Karte



  Skalierbare Karte auf: https://www.openstreetmap.org/#map=18/49.52040/12.26479


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***Bewertung: Innen selten zugänglich, aber einzigartiger Erhaltungszustand einer mittelalterlichen Burg

Literatur:
Mathias Conrad: Burg Trausnitz im Tal, in: ARX 1/2012

Weitere Informationen:
Burg Trausnitz im Tal auf Wikipedia
Adelsgeschlechter Trausnitz/Zenger auf Wikipedia
Burg Trausnitz im Tal beim Haus der Bayerischen Geschichte


Erstellt 2/2021.