burgenseite.de

Burgruine/Schloss Hohenburg

Gemeinde Hohenfels, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz
**
Eingangsbereich und Reste des Südflügels



Lage und Zugänglichkeit


 
Reste des Palas (zum Vergrößern anklicken!) Die Ruine liegt auf einem Berg über dem Markt Hohenburg auf dem Gelände des US-Truppenübungsplatzes Hohenfels. Deshalb gehört sie offziell zur Gemeinde Hohenfels im Landkreis Neumarkt, nicht zum Markt Hohenburg im Kreis Amberg/Sulzbach. Von Regensburg aus nimmt man die B 8 Richtung Neumarkt, biegt allerdings nach wenigen Kilometern bei Etterzhausen Richtung Kallmünz in das Naabtal ab. Vor Kallmünz folgt man der Vils nach Schmidmühlen und von dort aus wiederum links ins malerische Lauterachtal Richtung Hohenburg.
 
Die Burgruine erreicht man über einen Weg, der im Markt Hohenburg direkt hinter dem Feuerwehrhaus beginnt. Der Pfad wendet sich vor dem Hang nach links und windet sich dann rechtsherum durch den Wald bis zur kahlen Spitze des Berges, auf der weithin sichtbar die Ruine liegt - leider innerhalb des Truppenübungsplatzes. Deshalb ist sie offiziell nur nach einer Genehmigung des Kommandanten zugänglich. Kontakt unter: US Truppenübungsplatz Hohenfels, Public Affairs Office, Tel. 09472/832457.



Geschichte


 
Minnesänger Berthold, Markgraf von Hohenburg (zum Vergrößern anklicken!) Die Hohenburg ist eine der ältesten Burgengründungen auf dem Nordgau, der heutigen Oberpfalz. Sie schützte eine wichtige Handelsstrasse des Mittelalters, die von der unteren Elbe über Forchheim nach Regensburg verlief. Ihre Gründer waren vielleicht der um 1050 zum ersten Mal genannte Graf Ernst und sein Frau Pilifrid, die auch um Freising und im heutigen Österreich bei Melk Güter inne hatten. Sie waren u.a. verwandt mit den Grafen von Velburg und Grögling/Hirschberg.

Erst 1115 wird wieder ein Graf Ernst in einer Urkunde genannt, dieses Mal ausdrücklich "von Hohenburg". Seine Söhne Ernst und Friedrich schließen 1142 eine Erbvertrag mit dem Regensburger Bischof, sein Enkel Friedrich II. erneuert diesen Vertrag. Als der aber 1209 tatsächlich kinderlos stirbt, weigert sich Friedrichs Witwe Mathilde von Wasserburg, den Besitz an den Bischof herauszugeben. Stattdessen heiratet sie 1210 Markgraf Diepold VI. von Vohburg. Die vier Söhne dieser beiden nennen sich später Markgrafen von Hohenburg.

Die älteren Berthold und Diepold von Hohenburg stehen ab 1237 in engster Verbindung zum letzten Staufer-Kaiser Friedrich II. und bekommen wichtige Ämter in Italien verliehen. Später folgen auch die jüngeren Brüder Otto und Ludwig nach Italien. Berthold ist als Minnesänger in der Manesseschen Liederhandschrift an prominenter Stelle verewigt. Er stand in regem Austausch mit jüdischen und byzantinischen Gelehrten und soll sogar mohammedanische Minnelieder verfasst haben. Auf dem Bild hat er sein Schwert buchstäblich an den Nagel gehängt, um aus einer Liedersammlung zu rezitieren. Die große Nähe zur Macht bedeutet aber letztlich den Untergang der Hohenburger: Als nach dem Tod des Kaisers im Jahr 1250 das staufische Herrschaftssystem zusammenbricht, fallen die Brüder aus Hohenburg den Machtkämpfen zum Opfer und sterben kinderlos in sizilianischen Kerkern.
 
Kartenausschnitt bei Apian 15681258 gelangte deshalb die Herrschaft Hohenburg endgültig an den Regensburger Bischof, der die Burg seither mit Pflegern besetzte, nur unterbrochen von einzelnen Verpfändungen. Die Burg wurde wiederholt aus- und umgebaut, aber ab 1600 nahmen die Pfleger ihren Sitz im Tal, die Burg verfiel. Nachdem der bayerische Staat während der Säkularisiation die Herrschaft übernommen hatte, entschloss man sich 1812 zum Abriss aller Gebäude. Durch die abgelegene Lage im Truppenübungsplatz setzt sich der Verfall der Hohenburg bis in unsere Tage fort.



Beschreibung


 
Grundriss Hohenburg
Die turmartig ragenden Reste der Hohenburg liegen weithin sichtbar auf einer felsigen Bergspitze. Der vorliegende Grundriss gibt leider nur wenig Aufschluss über den Aufbau der mittelalterlichen Anlage. Der Weg zur Burg, der wahrscheinlich mit mehreren Toranlagen bestückt war, mündet zunächst in einem tiefer gelegenen terrassenartigen Vorsprung an der Südseite. Auf der historischen Zeichnung erkennt man, dass es sich dabei um einen Zwinger mit Mauertürmen handelt, der sich um die ganze Anlage zog und sicher im späteren Mittelalter angelegt wurde. Heute sammeln sich dort die zahllosen Steine, die sich von dem Gemäuer lösen. Auf einen zusätzlichen Graben verzichteten die Erbauer, man verließ sich auf die relativ steilen Berghänge als Hindernis. In diesem Zwinger verlief anscheinend im Uhrzeigersinn der Weg um die Burg herum auf das Plateau, der Eingang scheint zwischen den beiden Flügeln im Nordosten gelegen zu haben.
 
Von einer ersten Burg aus dem 11. Jahrhundert ist heute nichts mehr erkennbar. Der älteste Teil des heute sichtbaren, stark verfallenen Baus ist sicherlich der quadratische Bergfried an der Nordwestspitze, der einen runden Innenraum hat. Im Osten schließt sich der Palas an, an dessen Innen- und Außenwand eine Kalksteinquader-Verblendung erkennbar ist (Foto bei Lage) und der zwei Aborterker besaß. Entstanden sind diese Gebäudeteile wohl im 13. Jahrhundert.
Hohenburg vor 1812 
Der schlossartige Ausbau, der im 16. Jahrhundert erfolgte und das heutige Bild der Überreste bestimmt, formte zwei lange Flügel im Norden und Süden, die beide mit einem Ecktürmchen am Westende bestückt waren (siehe Zeichnung). Im Nordwesten sind die Reste eines solchen Ecktürmchens noch gut erkennbar (Foto bei Aktivitäten). Vom Südflügel sieht man noch eine festungsartige, dicke Mauer mit Schießscharten, die zur Überwachung des direkt darunter verlaufenden Zugangsweges dienten (siehe Titelfoto).
 


Wissenswertes


 
Ende des Nordflügels mit Eckturmfundamenten (zum Vergrößern anklicken!) Der kleine Marktflecken Hohenburg besitzt einen schönen Marktplatz mit Häusern aus dem 14. Jahrhundert. Der Ort bietet sich als Ziel oder Ausgangspunkt für Wanderungen ins schöne Lauterachtal und auf die Erhebungen des Jura an. Ganz in der Nähe in Allersburg liegt direkt über der Straße eine wehrhaft ummauerte Kirchenanlage, die im Mittelalter möglicherweise Sitz einer eigenen Burg war. Im Friedhof ist ein Karner, ein mittelalterliches Beinhaus, zu finden. Nicht weit von Hohenburg liegt die sehenswerte Burgruine Rossstein.


Karte


 


Skalierbare Karte auf openstreetmap.de:
http://openstreetmap.de/karte.html?zoom=15&lat=49.29336&lon=11.80251&layers=B000TT



zurück  nach oben  vor

**Bewertung: Beeindruckende Lage, aber nur schwer zugänglich.
 
Literatur:
Pfistermeister: Burgen der Oberpfalz
Rädle/Enzmann: Burgen und Burgställe im Kreis Neumarkt

Weitere Infos:
http://de.wikipedia.org/wiki/Burgruine_Hohenburg_(Hohenburg)
http://de.wikipedia.org/wiki/Grafen_von_Hohenburg

Erstellt 12/2002, aktualisiert 5/2010.