Gemeinde Oberaudorf, Landkreis Rosenheim, Oberbayern
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Geschichte
Gesicherte Zeugnisse eines Burgadels und urkundliche Erwähnungen fanden sich bisher nicht. Es wird vermutet, dass die Ritter, welche die nahe Auerburg in Oberaudorf gegründet haben, zuerst in der Höhlenburg Luegstein residierten. Sie waren wohl Vasallen oder Ministerialen der Grafen von Falkenstein. Keramik-Funde zeigen eine Besiedlung der Höhlenburg vom 11. bis zum 13. Jahrhundert an.
Der Umzug in die bequemere Burg im Tal dürfte um 1250 erfolgt sein, die Burgruine wurde vergessen. Auf der Karte von Apian 1568 wird sie schon nicht mehr erwähnt, nur der Berg als "Luegstein" genannt. Lange hielt man die Höhle für eine Art Fluchtburg aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriesges, erst eine Ausgrabung 2008 brachte die Erkenntnis, dass es sich um eine hochmittelalterliche Höhlenburg handelt.
Eine Sage zur Burg geht so: Weil der Auer Graf nicht auf sein Erbe warten wollte, beseitigte er seine Eltern und kam so zu Reichtum umd Macht. Kurz darauf weissagte ihm wegen dieses Frevels eine Zigeunerin den nahen Tod durch Blitzschlag. Als tatsächlich in den Burgturm der Auer Burg der Blitz einschlug, zog sich der Graf in eine Höhle zurück, in der er sich sicher wähnte. Trotzdem ereilte ihn bei einem plötzlichen Gewitter der Tod, als er es nicht mehr rechtzeitig schaffte, die steile Leiter zur Höhle zu erklimmen. Bemerkenswet: Die Sage ist quasi die Umkehrung der realen Geschichte.
Beschreibung
Das Grafenloch in der Luegsteinwand ist eines der ganz wenigen bekannten Exemplare einer Höhlenburg in Bayern. Anders als in Burgruine Loch bei Regensburg oder der Burg Trostberg bei Traunstein wurde hier der Baubestand streng auf die eigentliche Höhle beschränkt. Sie liegt in aussichtsreicher Lage schwer zugänglich in einer Felswand. Der Eingang in 4 Metern Höhe konnte nur durch eine Leiter erklommen werden, hier ist heute noch gut sichtbar ein Torbogen angesetzt.
Größter Mauerbestand ist heute eine massive Stützmauer aus Kleinquadern. Darauf fusst eine etwa 1 m starke Mantelmauer, die das Höhleninnere vom Außenbereich abschirmte. Einbauten in der Höhle gibt es heute keine mehr, aber Bearbeitungsspuren an der östlichen Höhlenwand lassen vermuten, dass der Aufbau zweistöckig war. Die Ausgrabung an einer Mauerecke zeigte eine große Lücke zwischen Boden und Mauer - eventuell Indiz für eine Holzauskleidung. Auch in Loch war das Innere ja zu einer heizbaren Bohlenstube ausgebaut - sonst hätte man es im Winter wohl sehr ungemütlich gehabt.
Der Weg zur Höhle führt von Oberaudorf durch das Burgtor und am Luegsee entlang hinauf zum Grafenloch. Er ist gut ausgeschildert und Teil des interessanten Oberaudorfer Höhlenwegs.
Grundriss
Aufgang zur Höhlenburg
Reste des Torbogens
Stützmauer unter der Höhle
Mauerrest in der Höhle
Blick aus der Höhle
Karte Bayernatlas
***Bewertung: Höhlenburg mit wenigen, aber faszinierenden Resten und toller Ausblick
Literatur:
Weithmann, Michael: Ritter und Burgen in Oberbayern, S. 154 f.