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Burgruine Obermurach / Haus Murach

Stadt Oberviechtach, Landkreis Schwandorf, Oberpfalz
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Tor zur Kernburg, Kasten, Bergfried


Lage und Zugänglichkeit



Schildmauer und Bergfried von Süden (zum Vergrößern anklicken!) Die Ruine Obermurach liegt wenige Kilometer westlich von Oberviechtach. Man erreicht sie am bequemsten auf der B 22, die von der Autobahnausfahrt der A 93 bei Nabburg in Richtung Cham führt. Auf der Höhe von Oberviechtach folgt man dem Wegweiser nach rechts und gelangt nach wenigen hundert Metern ins gleichnamige Dorf, das von der Burgruine gekrönt wird.
 
Die Anlage ist das ganze Jahr zugänglich, eventuell muss man aber den Schlüssel für das Burgtor und den Bergfried beim Burgwart im Ort abholen. Dort gibt es auch eine informative Broschüre zur Burgruine.
 
 

Geschichte


 
Ansicht vom Mätthaus Merian 1644
"Gerunc de Mourach" erscheint 1110 zum ersten Mal in einer Urkunde. Er begleitete damals seinen Lehensherrn, den mächtigen Grafen Berengar II. von Sulzbach, auf den Italienzug von Berengars Schützling, König Heinrich V. Nach dem Aussterben der Sulzbacher im Mannesstamm erben 1188 die Grafen von Ortenburg (nahe Passau) einen Teil ihrer Herrschaft mit den Hauptorten Warberg (Burgstall bei Neunburg) und Murach. Später nennen sich die Ortenburger sogar einmal Grafen von Murach. Die Ministerialenfamilie mit dem Leitnamen Gerunc bleibt aber in Obermurach präsent.
 
Von 1268 bis 1272 wird Obermurach in einer Reihe von Verträgen an den oberbayerischen Herzog Ludwig verkauft. Dabei scheint der wittelsbachische Herzog erheblichen Druck auf die Ortenburger Grafen Gebhard, Diepold und Rapoto ausgeübt zu haben. Nachdem Murach 1329 an die pfälzische Linie der Wittelsbacher gelangt, gliedert sie Kaiser Karl IV. im Jahr 1353 in sein "neuböhmisches" Territorium in der Oberpfalz ein, wenig später aber wird sie wieder pfälzisch.
 
Wappen der Muracher Beständig hat man die Burg ausgebaut und sie wurde berühmt für ihre Standfestigkeit: Heere der Hussiten belagerten sie 1428 und 1433, konnten sie jedoch nicht einnehmen. Das Ereignis wird in einem zeitgenössischen Lied so beschrieben: "Sie zogen gen murach für das hauß, man schoß und wurff zu Ihnen heraus, mit büchsen und mit pfeilen, so das die bösen husserer von dannen mußten eilen."
 
Im Lauf des 14. Jahrundert verteilen sich die Muracher auf mehrere Burgen im Oberpfälzer Raum, zum Beispiel nach Thanstein oder nach Flügelsberg im Altmühltal. Der dortige Zweig entwickelte sich zu berüchtigten Raubrittern: Nach der Geiselnahme eines Nürnberger Patriziers wurde die Burg Flügelsburg von den Reichsstädtern 1446 erobert und geschleift. 1489 ist Albrecht von Murach Mitglied im Löwleraufstand gegen den bayerischen Herzog. Obermurach übersteht diese Turbulenzen und sogar den Dreißigjährigen Krieg relativ unbeschadet, was jedoch dadurch zu erklären ist, dass sie ihre militärische Bedeutung mittlerweile verloren hatte. 1805 wird Obermurach, das zu dieser Zeit noch gut erhalten war, teilweise abgebrochen, die Steine zum Hausbau im Ort verwendet. Sicherung erst ab 1842 durch das Landgericht Oberviechtach, heute gehört sie dem Freistaat Bayern.
 

Beschreibung


 
Grundriss Obermurach
Die Burg liegt auf einer weithin sichtbaren Granitkuppe des Oberpfälzer Waldes. Sie gliedert sich in 2 Teile: Durch ein einfaches Tor betritt man die ausgedehnte Vorburg, die von einer noch gut erhaltenen, hohen Ringmauer umschlossen ist. Dort waren vor allem Nutz- und Wohngebäude untergebracht. Westlich ist ihr eine Terrasse vorgelagert, die vielleicht einmal einer Zwingeranlage Platz bot.
 
Der zweite Teil ist die etwas höher gelegene, ältere Kernburg auf der Ostseite der Anlage. Man erreicht sie über eine Treppe und einen kleinen spitzbogigen Eingang in der Ummauerung. Eine Schildmauer von 2 m Stärke schirmt sie gegen die Angriffseite im Süden ab. Baulich bestimmt wird die Kernburg vom 20 m hohen, quadratischen Bergfried und von einem großen turmähnlichen Wohnbau, im Grundriss "Getreidekasten" benannt. Der Bergfried mit einem rundbogigen Eingang in 8,5 m Höhe wurde im unteren Teil aus großen, regelmäßigen Granitquadern erbaut und dürfte aus dem 13. Jahrhundert stammen.
 
 
 
RekonstruktionsversuchDer "Getreidekasten" wurde vielleicht in späterer Zeit als solcher genutzt. Ursprünglich ist dahinter sicherlich in Wohnturm zu vermuten, der eventuell sogar vor dem Bergfried entstanden ist. Südwestlich vom Bergfried lag wohl die Burgkapelle, westlich sind Überreste eines halbrunden Mauerturmes zu erkennen (vergleiche Rekonstruktionsversuch). Im Norden schließt sich etwas unterhalb des Kernplateaus ein mehrteiliger Palas an, der wie die Vorburg aus dem späteren Mittelalter stammen dürfte.
 

Wissenswertes


 
Dämmerung bei Obermurach Reste des Palas (zum Vergrößern anklicken!)

Vom begehbaren Bergfried sieht man nach Westen über die Erhebungen des Oberpfälzer Waldes und viele kleine Dörfer in den Niederungen. Nicht weit entfernt liegen die Burg Wernberg und die sehenswerte Burgruine Leuchtenberg.
 

Karte


 


Skalierbare Karte auf openstreetmap.de:
http://openstreetmap.de/karte.html?zoom=14&lat=49.45434&lon=12.41025&layers=B000TT
 

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***Bewertung: Malerische Burgruine, sehr gut erhalten

Literatur:
E. Mages: Oberviechtach (Historischer Atlas von Bayern)
U. Pfistermeister: Burgen der Oberpfalz
F. W. Krahe: Burgen des deutsche Mittelalters.

Weitere Informationen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Murach
http://www.hdbg.eu/burgen

Abbildungen aus der Burgbroschüre bereit gestellt von Christian Reil
 
Erstellt 10/2000, aktualisiert 5/2014.